Erfahrungsbericht Ozone Rush 3 von Jürgen Karthe

Wir bedanken uns bei Jürgen Karthe für seinen ausführlichen und informativen Erfahrungsbericht mit dem neuen Ozone Rush 3 und können uns seinen Ausführungen nur anschließen.

Allgemein:

Der Rush 3 begeistert hinsichtlich seiner Verarbeitung, die sehr hochwertig und durchdacht anmutet. Der Schirm wurde mit viel Liebe zum Detail gefertigt und macht bereits bei seiner Betrachtung Spaß.

Die Tragegurte sind nur 12 mm breit. In der Vorderkante des Segels befinden sich Kunststoffstäbchen, welche ziemlich weit ins Segel reichen. Das Packen stellt meiner Ansicht aber keine besonderen Anforderungen, da das Segel in einen länglicher Spezialpacksack mit Belüftungen gepackt wird. Ein Knicken der Stäbchen ist damit fast ausgeschlossen. Im Achterlieg befinden sich Minirips, die der Hinterkante eine messerscharfe Form geben.

Startvorbereitungen:

Der Rush 3 braucht aufgrund der sehr dünnen Galerie- und Bremsleinen, welche sehr hochwertig erscheinen, sehr viel Aufmerksamkeit beim Leinensortieren. Diese sehr dünnen Leinen neigen zum Schlaufenbilden und finden nahezu jede kleinste Öffnung, um sich einzufädeln oder zu verhaken. (so z.B. Zipper an Reißverschlüssen und gar die Brummelhaken) Er erfordert demnach ein sehr genaues und penibles Auge – hieran gewöhnt man sich jedoch schnell. Hektik am Startplatz ist demnach der Feind des Rush 2 - Piloten.

Ein weiteres Merkmal sind die doch sehr verdrehungsfreudigen, dünnen Tragegurte. Auch hier ist ein besonders wachsames Auge gefragt, sonst sind Tragegurtverdrehungen nicht selten. Das ist mir zweimal passiert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Muss man halt wissen!! Gewöhnungsbedürftig.

Start:

Bei Wenig-/ bis Nullwind lässt sich das Segel sehr schön aufziehen und hat keine Neigung zum Überschießen. Selbst bei leichtem Rückenwind lässt sich der Rush neutral aufziehen. Er ist sehr spurtreu, neigt nicht zum Ausbrechen.

Anders sieht es bei stärkerem Wind, bzw. bei  thermischen Böen aus. Bei schwachem Aufziehimpuls kommt das Segel in der Steigphase sehr schön hoch, lässt sich sehr gut korrigieren – trotz voll gezogener Bremse schießt es im letzten Drittel markant vor und der Bremsweg reicht nicht aus, dieses Schießen zu verhindern. Zwangsläufig muss man ein oder mehrere Schritte zurück machen, wodurch ein anschließendes Aushebeln des Piloten an steilen Startplätzen fast garantiert ist. Fazit: Meines Erachtens sind die Bremsleinen zu lang eingestellt. Den Stallpunkt konnte ich ungewickelt nicht erreichen. Diese Eigenschaft dürfte dann auch auf den M Schirm übertragbar sein.

Fazit Start: Der Schirm lässt sich gut starten. Bei einem Aufziehen mit stärkerem Wind sollten die Bremsleinen einmal gewickelt sein, da die Kontrolle sonst schwer wird. Bei Aufziehen und Kontrolle über die C/D Ebene ist das Vorschießen gänzlich zu verhindern. Der Steuerweg der Bremsleinen ist also scheinbar zu lang gewählt.

Flug:

Im Flug entfaltet der Rush 3 seine wahre Qualität. Der Steuerdruck ist  gering – Toll - Er fliegt sich in thermischen Turbulenzen sehr gedämpft. Das Segel wirkt stoisch ruhig und neigt auch bei einseitiger kurzfristiger  Entlastung nicht zu Einklappern, sondern ist geneigt, diese Turbulenzen in sich auszugleichen, ohne das die Kappe nervös reagiert. Es gibt ferner keine harten Schläge an den Piloten weiter.  Das anfängliche Misstrauen geht schnell über in ein Staunen, in der Folge kann man sich beruhigten Herzens auf das Fliegen konzentrieren. Der Rush 3 ist spürbar leistungsstark in Gleitphasen – und das nicht nur messbar – man spürt es.  Aufgrund der recht hohen Rollstabilität ist es nahezu eine Freude, auf Strecke zu gehen. Beschleunigt legt der Schirm spürbar zu und bleibt stabil. Das Gleiten in diesem Zustand ist eine wahre Freude und macht den Leistungssprung auch ohne Messgeräte spürbar. Das Sinken nimmt nur unwesentlich zu (um 1 oder 2 Zehntel). Bei Fullspeed stand die stäbchenunterstützte Eintrittskante nahezu perfekt, lediglich die untere Seite der Eintrittsöffnungen fing an zu flattern. (ohne Stäbchen) Ich bin mir sicher, auch hieran wird gearbeitet.

Mit dem L Schirm musste ich in der Thermik für ein sauberes und exaktes, sowie unmittelbares Zentrieren die entsprechende Steuerleine einmal wickeln. Der Schirm möchte zudem gern eine Gewichtsverlagerung, um zügig um die Kurve zu kommen. In der Thermik verhält sich der Schirm ruhig – neigt nicht zum Aufschaukeln oder Aushebeln – fliegt sich angenehm neutral. Gewickelt und mit Gewicht, drehte der Schirm angenehm flach und lässt sich sehr gut dosieren. Die M Version im oberen Gewichtsbereich dürfte da deutlich spritziger sein, was meinem Natural eher entgegenkommt.

Die Einleitung der Steilspirale dauerte i.d.R.  1 Kreis, wohl aufgrund der unteren Gewichtsbelastung für diesen L-Schirm. Dann aber kommt der Schirm sauber und ohne markant abzutauchen und jederzeit gut dosierbar in die Kreisbahn.

Ich habe die Spirale nicht ausgereizt, bin sie im mittleren Bereich geflogen. Die Ausleitung war problemlos und zog sich moderat über zwei Kreise. Auch dieses Manöver stellt keine sehr hohen Ansprüche an den Piloten und spricht klar  für diesen Schirm.

Zweimal habe ich den B-Stall erflogen. Bei mittlerem Kraftaufwand stallt der Schirm sauber weg und neigt nicht zur Deformierung. Hierbei kippt der Schirm deutlich nach hinten weg. In diesem Vorgang sollten die Gurte unbedingt gehalten werden.  Beim Ausleiten sollte man dann  zeitig auf der Bremse stehen, schießt der Schirm doch markant, aber doch im moderaten Wohlfühlbereich vor. Ein Sackflug sollte dabei wohl kaum entstehen können. Der Schirm nimmt rasch und zügig wieder Fahrt auf.  Auch diese Eigenschaft ist sehr lobenswert. Das Manöver macht regelrecht Spaß, aufgrund der Unkompliziertheit.

Das Ohrenanlegen gestaltet sich aufgrund der geteilten A-Gurte als einfach zu erfliegendes Manöver mit effektiver Sinkrate. Hierzu empfiehlt es sich, oberhalb der Leinenschlösser anzufassen, um die Ohren effektiv klappen zu können. Die Öffnung erfolgt über leichtes Anbremsen des Schrims.

Landung:

Wie schon erwähnt, konnte ich den Stallpunkt ungewickelt nicht erreichen. So habe ich die Steuerleinen regelmäßig einmal wickeln müssen, um den Stall auf den Punkt zu bringen. Ansonsten lässt sich das Segel toll ausflairen und auf den Punkt bringen. Im Landeanflug bemerkt man markant die gute Gleitleistung des Rush 3 , da wird der gedachte Endanflug schon mal im Weg  länger als geplant. Mehrfach musste ich das Segel herunterpumpen, da der Endanflug sich schwebend hinzog und somit die Strecke immer länger.

Gesamtfazit:

Sieht man von den Eigenheiten bei der Startvorbereitung und den etwas anspruchsvolleren Starteigenschaften bei Starkwind ab, worauf sich der geübte Pilot jedoch schnell einrichten kann, ist der Schirm eine klare Empfehlung.

Die Flug-/ und Gleiteigenschaften setzen tatsächlich neue Maßstäbe im EN-B Bereich.

Der Rush 3 setzt aufgrund seiner Starteigenschaften einen geübten Piloten (Groundhandling) voraus. Im Flug scheint dieser Schirm, auch aufgrund der langen Steuerwege und seiner leicht zu erfliegenden und dosierbaren Abstiegsmanöver anfängertauglich zu sein. Dabei hat er ein Leistungspotential, das in dieser Klasse seines Gleichen sucht

 
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